Raunächte-Lexikon
0-9
A
B
C
- Christus
- Christus ist die griechische Bezeichnung für „den Gesalbten“ und entspricht dem hebräischen Begriff Messias. Im christlichen Glauben ist Jesus Christus der Sohn Gottes, in dem Gott Mensch geworden ist. Weihnachten feiert diese Menschwerdung und die Hoffnung, dass göttliche Liebe in die Welt kommt – nicht als abgehobene Idee, sondern mit aller menschlichen Verletzlichkeit. In einer schamanisch geprägten Betrachtung kann die Weihnachtsgeschichte zur Frage führen, wie Licht, Mitgefühl, Verantwortung und Weisheit im eigenen Leben mehr Raum bekommen dürfen.
D
- Dreikönigstag
- Am 6. Januar feiert die christliche Tradition Epiphanias, das Fest der Erscheinung des Herrn, im Volksmund Dreikönigstag genannt. Im Mittelpunkt stehen die Sterndeuter aus dem Matthäusevangelium, die dem Stern nach Bethlehem folgen und dem Jesuskind Gold, Weihrauch und Myrrhe bringen. Daraus entwickelten sich die Rituale rund um die Heiligen Drei Könige und das Sternsingen. Haussegnungen und Kreidezeichen verbinden das Fest bis heute mit dem Wunsch nach Schutz und Segen für das kommende Jahr.
- Dunkelnächte
- Als Sperr- oder Dunkelnächte werden heute häufig die zwölf Nächte vom 8. bis 19. Dezember bezeichnet. Sie gelten in manchen modernen spirituellen Angeboten als Zeit, um das zu Ende gehende Jahr rückblickend zu betrachten, Unerledigtes abzuschließen und innerlich aufzuräumen, bevor die Raunächte beginnen. Für eine lange, allgemein verbreitete historische Tradition dieses genau festgelegten Zeitraums gibt es bislang keine gesicherte Beleglage. Als bewusst gestaltete Rückschau können die Sperrnächte dennoch eine sinnvolle heutige Praxis sein.
E
- Esel
- Der Esel gehört heute selbstverständlich zu vielen Weihnachtskrippen. In den biblischen Geburtsberichten wird er allerdings nicht ausdrücklich bei der Krippe erwähnt. Seine Rolle entwickelte sich in der späteren christlichen Bildtradition. Als genügsames, ausdauerndes Tier steht er in vielen Darstellungen für Demut und Dienstbarkeit. Zugleich erinnert er daran, dass Tiere seit jeher Teil menschlicher Lebens- und Glaubenswelten sind.
F
G
H
- Heiliger Josef
- Josef gilt in der christlichen Überlieferung als Ehemann Marias und Ziehvater Jesu. Die Evangelien zeichnen ihn als gerechten Mann, der Verantwortung übernimmt und Maria und das Kind schützt. Besonders in der Weihnachtsgeschichte steht er für stille Tatkraft: Er handelt, auch wenn vieles ungewiss bleibt. In der religiösen Verehrung wurde Josef zum Vorbild für Fürsorge, Treue und verlässliches Handeln.
I
- Innenschau
- Innenschau bedeutet, die Aufmerksamkeit bewusst nach innen zu richten und Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und Bedürfnisse wahrzunehmen. In der stillen Jahreszeit kann sie helfen, das vergangene Jahr ehrlich zu betrachten: Was hat Kraft gegeben, was möchte abgeschlossen werden, was soll weiterwachsen? In schamanischen Arbeitsweisen kann Innenschau durch Stille, Naturbegegnung oder Rituale unterstützt werden. Sie ist kein Rückzug aus dem Leben, sondern eine Möglichkeit, bewusster und verantwortungsvoller in den Alltag zurückzukehren.
J
K
- Kathrein (25. November)
- Der 25. November ist der Gedenktag der heiligen Katharina von Alexandrien. Im Alpenraum markierte Kathrein traditionell das Ende der Tanzsaison, denn mit dem Advent begann eine kirchlich geprägte Zeit der Besinnung und Vorbereitung auf die heilige Zeit der Einweihung zu Weihnachten. Der bekannte Spruch „Kathrein stellt den Tanz ein“ erinnert daran. Der Tag bildet damit eine Schwelle zwischen dem geselligen Herbst und der stilleren Winter- und Weihnachtszeit.
L
M
- Mutter Maria
- Maria, die Mutter Jesu, nimmt in der christlichen Tradition eine besondere Stellung ein. Sie gilt als Mutter Gottes und wird in vielen Glaubensrichtungen als Fürsprecherin, Trostspenderin und weibliches Vorbild verehrt. In Weihnachtsdarstellungen steht sie häufig für mütterliche Zuwendung, Hingabe und die Bereitschaft, sich auf einen unbekannten Weg einzulassen. In spirituellen Deutungen wird Maria mitunter als Bild für empfangende Kraft und liebevolle Fürsorge verstanden. Sie begleitet uns mit Liebe, Gnade, Erlösung und vielen weiteren femininen Kräften.
N
O
P
Q
R
- Räuchern
- Das Räuchern mit Weihrauch, Kräutern und anderen pflanzlichen Stoffen ist als volkstümlicher, religiöser und häuslicher Brauch rund um Weihnachten, den Jahreswechsel und den Dreikönigstag seit Langem überliefert. Häuser und Ställe wurden ausgeräuchert und gesegnet, um Schutz und Segen zu bringen. Durch das Räuchern lässt sich der Schwellenprozess bewusst unterstützen.
- Raunächte
- Als Raunächte bezeichnet man die besonderen Nächte rund um Weihnachten und den Jahreswechsel. Häufig gelten die zwölf Nächte vom 25. Dezember bis zum 5. Januar als Raunächte. Regional unterscheiden sich Zählung und Brauchtum jedoch. Überliefert sind unter anderem Räucherungen, Rituale, Gebote und Orakel. Heute werden die Raunächte vor allem als Zeit der Innenschau und bewussten Neuorientierung gestaltet.
- Rumpelnacht
- Im Alpenraum und manchen Regionen in Süddeutschland und Österreich gilt als erste Raunacht die Thomasnacht vom 20. auf den 21. Dezember. Man nennt sie auch Rumpelnacht.
S
- Schwellenzeit
- Als Schwellenzeit bezeichnet man eine Übergangsphase zwischen zwei Jahres- oder Lebensabschnitten bzw. anderen Zeiträumen. Die Raunächte werden häufig als Schwellenzeit verstanden: Das alte Jahr klingt aus und das neue beginnt. Solche Zwischenzeiten eignen sich besonders gut für Zeremonien, Rituale und Übungen, bei denen man Rückschau hält, Abschiede bewusst gestaltet und Absichten für den kommenden Abschnitt formuliert.
- Sperrnächte
- Als Sperr- oder Dunkelnächte werden heute häufig die zwölf Nächte vom 8. bis 19. Dezember bezeichnet. Sie gelten in manchen modernen spirituellen Angeboten als Zeit, um das zu Ende gehende Jahr rückblickend zu betrachten, Unerledigtes abzuschließen und innerlich aufzuräumen, bevor die Raunächte beginnen. Für eine lange, allgemein verbreitete historische Tradition dieses genau festgelegten Zeitraums gibt es bislang keine gesicherte Beleglage. Als bewusst gestaltete Rückschau können die Sperrnächte dennoch eine sinnvolle heutige Praxis sein.
- Staade Zeit
- „Staade Zeit“ ist der bairische Ausdruck für die stille Zeit des Jahres, besonders für den Advent und die Tage rund um Weihnachten. Früher war diese Phase vielerorts von kirchlichen Regeln, eingeschränkten Tanzveranstaltungen und der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest geprägt. Die Stille war Teil des gemeinschaftlichen Lebens. Heute erinnert der Begriff daran, in dieser Zeit bewusst langsamer zu werden und sich Raum für Besinnung, Innenschau und das Wesentliche im Leben zu schenken.
- Stern von Bethlehem
- Der Stern von Bethlehem erscheint im Matthäusevangelium als Himmelszeichen, das Sterndeuter aus dem Osten zur Geburt Jesu führt. In der christlichen Bildwelt wurde er zum leuchtenden Wegweiser und Symbol göttlicher Offenbarung und Hoffnung. Ob der Erzählung ein konkretes astronomisches Ereignis zugrunde liegt, ist bisher ungeklärt. Diskutiert wurden unter anderem Stern-/Planetenkonjunktionen und Kometen. Spirituell kann der Stern als Bild für Orientierung verstanden werden: ein Licht, das den Weg weist. Und: Vielleicht haben wir ja alle unseren eigenen Stern von Bethlehem, der uns den Weg durchs Leben weist?
- Sterndeuter
- Die Sterndeuter aus dem Matthäusevangelium beobachten ein Himmelszeichen und folgen ihm, um dem neugeborenen Jesus zu begegnen. Der biblische Text nennt weder ihre genaue Zahl noch bezeichnet er sie als Könige. Diese Vorstellung entwickelte sich erst im Laufe der christlichen Überlieferung. Im historischen Umfeld des Alten Orients waren Himmelsbeobachtung und Deutung von Gestirnen eng miteinander verbunden. Die Erzählung erinnert daran, dass Menschen seit alters her am Sternenhimmel nach Orientierung gesucht haben.
T
- Thomasnacht
- Als Thomasnacht wird im Volksbrauch die Nacht vom 20. auf den 21. Dezember – dem Thomastag – bezeichnet. Es wird damit an den Apostel Thomas erinnert. Die zeitliche Nähe zur Wintersonnenwende macht diese Nacht, den regionalen Überlieferungen nach, zu einer besonders sensiblen Phase für Orakel und Weissagungen. Im Alpenraum und manchen Regionen in Süddeutschland und Österreich gilt die Thomasnacht als erste Raunacht, auch Rumpelnacht genannt.
U
V
W
X
Y
Z
- Zwölfnächte
- Die Bezeichnung Zwölfnächte oder kurz Zwölfte verweist auf die zwölf Raunächte, die vielen Überlieferungen nach zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag liegen. Meist sind die zwölf Weihnachtstage vom 25. Dezember bis zum 6. Januar damit gemeint. Die verbreitete Erklärung, sie entsprächen genau der Differenz zwischen Mond- und Sonnenjahr, ist eine nachträgliche Deutung und kein gesicherter Nachweis für den Ursprung des Brauchs.